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Holzschale nachgebaut

Holzschale vom Künstler nachgebaut

Holzschale ist nicht gleich Holzschale. Vom zarten, schlichten Schälchen für den Schmuck, kann es über sämtliche Zwischenformen- und Größen mit allerlei Rafinessen bis zur Schüssel im Meterbereich gehen. Nichts wird im Hobby- und Künstlerbereich so gerne gefertigt, wie Schalen. Und das zum Teil mit großer Hingabe und Kunstfertigkeit.

Querholzdrehen gehört zur Grundausbildung des Drechslers. In der Gesellen- und Meisterausbildung wird großen Wert auf die saubere und maßhaltige Fertigung von Querholzobjekten gelegt. Jeder gelernte Drechsler ist in der Lage, eine handwerklich korrekt gefertigte Schale anzufertigen. In einer Baudrechslerei ist jedoch das Drehen von Schalen nicht an der Tagesordnung.

Umso mehr freute ich mich über den Auftrag eines Stammkunden, ein Objekt des Künstlers Lüder Baier nachzuempfinden. Es handelte sich um eine schlichte Schale aus schwerem, dunklen Tropenholz. In der Mitte wurde ein Dorn aus Messing eingearbeitet. Das Objekt war leider nicht mehr ansehnlich und sollte Ersatz bekommen. Das verklebte Eichenholz wurde vom Kunden geliefert.

    Handskizze vom Querschnitt

Auf dem Schraubenfutter wurde von mir die Rückseite gedreht. Dabei war zu beachten, dass ein Bauch mit durchgängigem Radius entstand. Diesen hatte ich mir errechnet und eine Schablone angefertigt. Einen Fuß ließ ich dabei stehen.  Diesen benötigte ich danach zum rückwärtigen, sicheren Spannen. Die Innenseite wurde nicht akkurat kopiert, sondern mit Gefühl nachempfunden. Auf die originale Messingspitze legte der Kunde keinen Wert. Eine Planscheibe mit Spannklötzen (schnell selbst gefertigt) wurde dann von mir verwendet, um den Fuß wieder wegzudrehen. Der Radius der Unterseite wurde somit vollendet.

Holzschale von Lüder Baier mit Nachbauten

Die Deutschen Werkstätten Hellerau, die ich auf einer unserer zahlreichen Innungsfahrten besuchen konnte, widmete dem 2012 verstorbenen Künstler mit dem bekannten Signum LB eine eigene Ausstellung.

Schalen, Schalen, Schalen…

Schalen produktion – Teil des Drechslerhandwerks

Schalen gehören zu den typischen Herstellungsartikeln des Drechslers. Wie alle Produkte unterliegt der Bedarf an ihnen aber auch Trends und anderen Einflüssen. Da die Formen, Materialien und Besonderheiten aber derart vielfältig sein können, findet sich fast immer auch für irgendeine Variante ein dankbarer Markt.
Sie sind Dekoelemente, Gebrauchsartikel oder Kunstgegenstände, sind klein, groß, flach oder tief. Eines ist jedoch allen gemeinsam: eine Hohlform, in der sich Dinge aufbewahren lassen.
schalen
Im Moment ist Natur gefragt. Für Schalen heißt es, dass natürliche Einschlüsse, Naturränder mit Rinde oder Borke, Moosbewuchs, Wurmlöcher, Risse, Löcher oder Äste kein wirkliches Problem darstellen. Man soll sehen, dass ein Naturmaterial verwendet wurde. Es wird auf Kontraste gesetzt. Da werden Oberflächen behämmert, angebrannt, Wind und Regen ausgesetzt, sandgestrahlt, vergoldet usw. – aber fast immer kombiniert mit der fein geschliffenen und nur zurückhaltend oberflächenbehandelten Holzoberfläche.
Viele Freizeitdrechsler und Künstler haben sich der Schalenherstellung verschrieben. Man wetteifert um Größe und Dünnwandigkeit. Welche Schale verformt sich ohne zu reißen…?
Schale P1030110
Im Handwerk werden Schalen im Allgemeinen aus Querholz hergestellt, das heißt, das Material wird quer zur Faserrichtung aus der Bohle geschnitten. Am Schalenrand wechseln sich Hirnholz und gerader Faserverlauf ab. Das ist die eigentliche Herausforderung an das Werkzeug, welches verwendet wird. Weder darf das Hirnholz ausreißen, noch an der Langholzseite Fasern wegsplittern. Besonders scharfes Werkzeug und eine ruhige Hand sind ein Muss.
schale2 Schale
Damit eine Schale auch bei leichter Verformung im Nachtrocknungsprozess noch gut auf ihrer Standfläche steht, wird die Hohlung immer in die rechte, also kernzugewandte Seite eingedreht. Am Fuß bildet sich dann eine konkave Hohlung. Andernfalls würde sich ein Bogen bilden und die Schale schwanken oder kippeln.
Die Herstellung von Schalen ist nur schwer zu automatisieren, ohne einen Qualitätsverlust hinnehmen zu müssen. Es gibt Hilfsmittel, mit denen man sich die Arbeit erleichtern kann, aber fast immer handelt es sich um reine Handarbeit, die es wert ist, geschätzt zu werden.
Schalen

Kleine Naturrandschale aus Pfirsichbaumholz

Angeregt durch Kollegen mit anderen Standardprodukten, habe ich wieder einmal etwas nur zum Spaß gedreht. Schalen, Dosen und andere Schmuckartikel sind in den neuen Bundesländern nach wie vor schwer zu verkaufen und gehören deshalb nicht zu meinen typischen Produkten. Nichtsdestotrotz wollte dieses Stück Holz unbedingt rund gedreht werden.

Was blieb mir anderes übrig…?!

Kleine Naturrandschale aus Pfirsichbaumholz

Ach so…die Schale ging dann ganz fix als Geschenk wieder weg…

Kleine Schalenserie aus Kiefernholz

Lange waren Holzschalen in Ostdeutschland verpönt – ein Erbe der weit verbreiteten und staatlich geförderten Hobbydrechselei zu DDR-Zeiten. Mittlerweile trifft aber doch einmal der eine oder andere Auftrag dazu bei mir ein. Wenn es auch in diesem Fall nur gaaaaanz kleine Schalen sind, war die Arbeit eine schöne Abwechslung.
Der Kunde übernimmt hier die Oberflächenbehandlung selbst.

Schalen aus Kiefernholz

Schalen aus Nussbaum

Exotenhölzer werden bei mir nur selten verarbeitet – irgendwie halte ich das auch nicht für nötig. Schöner ist es doch, wenn man sogar noch weiß, an welcher Straßenecke oder in welchem Garten der Baum gewachsen ist, aus dem zum Schluss noch irgendetwas Brauchbares entsteht.
In diesem Fall war es ein Nussbaum, der für einen Hausbau im Mühlentor in Ziesar weichen musste und der nach mehrjähriger Lagerung zu einigen schönen Schalen verarbeitet wurde. Hier ein Beispiel dafür.

Schale aus Nussbaum Schale aus Nussbaum