Kategorie-Archiv: Drechslerarbeiten

Säulen für Stehlampen gedreht

Säulen für Stehlampen aus Nussbaum gedreht

Im Auftrag eines Designers durfte ich für seine speziellen Stehlampen die Säulen anfertigen. Das bereits verleimte und innen teilweise hohl gefräste Nussbaumholz wurde praktischerweise angeliefert.  Dadurch fielen sämtliche potenziellen Probleme mit der Holzqualität und der Verleimfeuchte für mich unter den Tisch.
Die schlanken Teile maßen in der Länge ca. 1,45m. Der Durchmesser zog sich von 70 bis auf 8,7 Millimeter. Solche Maße sind ohne Hilfsmittel kaum zu händeln. Zu diesem Zweck steht dem Drechsler die Lünette zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe konnte ich die lange, schlanke Form gut bewältigen. Ein scharfes Werkzeug  ist wie immer Voraussetzung für gutes Gelingen.

Säule für Stehlampen - Sockel Säule für Stehlampen - Lünette

Alle 10 cm habe ich den Durchmesser nach Zeichnung vorgedreht und anschließend verbunden. Das beste Hilfsmittel ist dabei die Hand, die jede Delle und Beule fühlen kann.  Beim Drehen schlanker Teile greift die linke Hand hinter das sich drehende Holz und fängt den Druck des Werkzeugs ab. Nur der Daumen führt das Werkzeug, welches ruhig in der rechten Hand liegt. Die Genauigkeit liegt dabei im Zehntelmillimeterbereich.
Die Lünette muss mehrmals versetzt werden, damit man an jeden Teil der Lampensäule herankommt.

Säule für Stehlampen - Spitze Säule für Stehlampen aus amerikanischem Nussbaum

Da der Drechsler ein typischer Zulieferer ist und meist Halbfertigteile herstellt, ist es auch in diesem Fall nicht ungewöhnlich, dass der Kunde – ein Berliner Designer – das Produkt selbst weiter verarbeitet. Im Ergebnis entstand eine Stehlampe, die in Form und Technologie exklusiv und ungewöhnlich ist. Deshalb findet sie nicht nur in Europa Absatz.

Ein paar schöne  Ansichten und Detailinformationen finden Sie auf der Webseite vom Designer Tom Kühne.

Stehlampen Tom Kühne - Berlin
Quelle: tomkuehne.com

Holzschale nachgebaut

Holzschale vom Künstler nachgebaut

Holzschale ist nicht gleich Holzschale. Vom zarten, schlichten Schälchen für den Schmuck, kann es über sämtliche Zwischenformen- und Größen mit allerlei Rafinessen bis zur Schüssel im Meterbereich gehen. Nichts wird im Hobby- und Künstlerbereich so gerne gefertigt, wie Schalen. Und das zum Teil mit großer Hingabe und Kunstfertigkeit.

Querholzdrehen gehört zur Grundausbildung des Drechslers. In der Gesellen- und Meisterausbildung wird großen Wert auf die saubere und maßhaltige Fertigung von Querholzobjekten gelegt. Jeder gelernte Drechsler ist in der Lage, eine handwerklich korrekt gefertigte Schale anzufertigen. In einer Baudrechslerei ist jedoch das Drehen von Schalen nicht an der Tagesordnung.

Umso mehr freute ich mich über den Auftrag eines Stammkunden, ein Objekt des Künstlers Lüder Baier nachzuempfinden. Es handelte sich um eine schlichte Schale aus schwerem, dunklen Tropenholz. In der Mitte wurde ein Dorn aus Messing eingearbeitet. Das Objekt war leider nicht mehr ansehnlich und sollte Ersatz bekommen. Das verklebte Eichenholz wurde vom Kunden geliefert.

    Handskizze vom Querschnitt

Auf dem Schraubenfutter wurde von mir die Rückseite gedreht. Dabei war zu beachten, dass ein Bauch mit durchgängigem Radius entstand. Diesen hatte ich mir errechnet und eine Schablone angefertigt. Einen Fuß ließ ich dabei stehen.  Diesen benötigte ich danach zum rückwärtigen, sicheren Spannen. Die Innenseite wurde nicht akkurat kopiert, sondern mit Gefühl nachempfunden. Auf die originale Messingspitze legte der Kunde keinen Wert. Eine Planscheibe mit Spannklötzen (schnell selbst gefertigt) wurde dann von mir verwendet, um den Fuß wieder wegzudrehen. Der Radius der Unterseite wurde somit vollendet.

Holzschale von Lüder Baier mit Nachbauten

Die Deutschen Werkstätten Hellerau, die ich auf einer unserer zahlreichen Innungsfahrten besuchen konnte, widmete dem 2012 verstorbenen Künstler mit dem bekannten Signum LB eine eigene Ausstellung.

Drechslerarbeit Globus-Gestell

Ein Globus-Gestell als Drechslerarbeit

Die Herstellung eines Globus-Gestell ist eine nicht mehr ganz typische Drechslerarbeit. Zumeist bestehen sie aus Metall oder Plastik. Historische Objekte wurden aber auch oft aus Holz hergestellt.  Auf einen Kundenwunsch hin durfte ich nun einen typischen Tischglobus aus den 50er Jahren mit einem Holzgestell versehen. Das alte Gestell aus Plastik war zerbrochen und nicht mehr reparabel. Den Ständer ansich zu produzieren, ist sicher kein Problem. Mehr Gedanken muss man auf den geschwungenen Bügel verwenden, der den Globuskörper aufnimmt und mit dem Standfuß verbindet.
Zur Herstellung gibt es mehrere Möglichkeiten:

Der Bogen kann aus einem Ring hergestellt werden, der aus einem verklebten Brett gedreht wird. Dabei sollte ein feines, festes Holz verwendet werden, das kaum noch schwindet – also im Feuchtebereich gut unter 10% liegt. Nachteil ist trotzdem die Instabilität, da sich bei über 180° immer auch irgendwo Hirnholz befindet, welches durch den Faserverlauf nicht bruchfest ist.

Der Bogen kann aus Segmenten verklebt werden, um Hirnholzbereiche auszuschließen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten – über Verleimzinken bis zu versetztem Kleben. Das ist jedoch relativ aufwändig und die vielen Holzverbindungen bleiben sichtbar.

Der eleganteste Weg ist wohl immer noch das Biegen der Form. Ideal ist dabei das Biegen über Dampf. Dafür muss man jedoch technisch ausgestattet sein und über dahingehende Erfahrungen verfügen. Einfacher – und von mir deshalb gewählt, ist das Biegen der Form beim Verkleben von Brettchen in mehreren Schichten. Im Gegensatz zu Sperrholz bleibt hier der Faserverlauf gleich. Eine einfache Formverleimung.

Globus-Gestell als Zeichnung Globus-Gestell Bogenverleimung

Günstig ist, wenn sich das Holz noch gut biegen lässt und doch möglichst dick bleibt. In diesem Fall habe ich mich für eine Stärke von 2,5mm entschieden. Das ließ sich noch gut allein und an einer simplen Lehre bewerkstelligen. Vorsichtig abgerichtet und an der Kreissäge parallel geschnitten, bietet der Bogen nun die ausreichende Präzision für den Globus. Den Bogen habe ich in eine Nut eingepasst und mit einer Messing-Schlitzschraube verschraubt, damit das Teil demontierbar bleibt. Ebenfalls nur verschraubt ist der Fuß aus Querholz und die kleine Langholzsäule (Rampamuffe und Gewindestück).  Das alte „Tafelwerk“ aus der Schule half mir bei kleinen  Berechnungen, wie der geneigten Erdachse (23,44°).

Globus-Gestell Montage Globus-Gestell fertig montiert

Für die Versiegelung der Oberfläche verwendete ich Holzwachs L von Genotop, welches den zarten Farbton der gedämpften Rotbuche aufflammen lässt.

 

 

Sparbüchse mit Bajonettverschluss

Sparbüchse mit Bajonettverschluss gedreht

Unlängst durfte ich eine hölzerne Sparbüchse mit Bajonettverschluss drehen. Ziel der Sparfunktion war die Rettung der afrikanischen Tierwelt.  Aus diesem Grund wählte ich in Absprache mit der Kundin den Habitus einer Giraffe.  Zugegebenermaßen einer ziemlich dicken Giraffe, aber es sollte ja auch Einiges an Geld hineinpassen. Damit die Spenden nicht gleich wieder unten hinausfallen, musste eine Lösung für den Boden her.  Diese war eine Art Bajonettverschluss, der den Boden verschließt und trotzdem wieder zu öffnen ist.

Hölzerne Sparbüchse mit BajonettverschlussAuf dem Bild ist die fertige Giraffe leider schon Opfer des in einer Drechslerei massenhaft anfallenden Holzstaubes geworden. Man sollte aber hoffentlich gut erkennen können, wie der Verschlussmechanismus ausgeführt wurde. In den Sparbüchsenkorpus wurde das Gegenstück zum Deckel eingedreht und mit einem Stopper und einem kleinen Keil versehen, der ein zu schnelles Lösen verhindern sollte.  Die Gefahr bei dieser Konstruktion ist einzig und allein die Verformung der Teile aus Eichenholz. Deshalb muss etwas großzügiger gearbeitet werden.

 

 

Der Hals der Giraffe wurde an den Korpus angepasst und mit kleinen Dübeln befestigt. Der geschnitzte Schwanz ist auf den Aufnahmen leider nicht zu sehen, rundete aber das Gesamtbild sehr schön ab.  Augen, Ohren und Hörner wurden mit kleinen Zapfen eingesetzt und die Nasenlöcher geschnitzt.  Die hoffentlich vorhandene Ähnlichkeit ist nicht zufällig, sondern basiert auf dem fleißigen Studium von Giraffenporträts…

Sparbüchse aus Eiche mit Bajonettverschluss Die Giraffe hätte man auch wachsen, ölen oder mit einem Mix von beidem behandeln können, aber uns erschien die Verwendung eines stabilen Lackes sinnvoller, um einen besseren Schutz der Oberfläche gewährleisten zu können.

 

Gedrehte Möbelbeine – ganz nach Wunsch

Gedrehte Möbelbeine – ganz nach Kundenwunsch

Gern stelle ich gedrehte Möbelbeine – ganz nach Wunsch des Kunden her. Dabei spielen Stil und Funktion keine Rolle. Ob nach Zeichnung, Handskizze, Muster oder Bild – alles ist prinzipiell machbar. Die Kunden sind zumeist Tischler,  Designer, Produktentwickler und Restauratoren. Aber auch mancher Bastler lässt sich gern ein paar passende Beine für seinen selbstgebauten Stuhl, Tisch oder sein Bettgestell drehen. Da fast jede individuelle Idee unkompliziert umgesetzt werden kann, entstehen zum Schluss Unikate oder Designerstücke. Auch die detailgetreue Nachbildung von gedrehten Möbelbeinen- oder Füßen, die bereits einige Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte auf dem Buckel haben, gehört zum Alltag eines Drechslers.

gedrehte historische Möbelbeine

In diesem Fall benötigte der Kunde ein völlig neues Bauelement, angelehnt an die Form eines alten Möbelfußes.

Möbelfüße-tischbeine-dietrich

Diese einfachen runden Beine mit angeschnittenem Winkel wurden von der Firma Rejon Design entwickelt und zu einem modernen Beistelltisch aus Eichenholz verarbeitet.

Möbelfüße Huber

Auch hier wurden nach Wunsch vier Möbelbeine aus Eichenholz im Gründerzeitstil hergestellt.

Möbelbeine Drechslerei Huber Cembalo Fischinger

Diese vier Cembalobeine aus Platanenholz fanden Eingang in die Konstruktion eines Cembalos aus dem Haus Fischinger / Berlin.   (Bild: Markus Fischinger)

Figuren Kleinserie

Figuren  Kleinserie gedreht

Für eine Berliner Kundin durfte ich unlängst eine kleine Figuren Kleinserie nach gelieferter Zeichnung drehen.
Das Problem bei kleinen Serien, die sich meist in den Hunderten bewegen, ist die Art der Herstellung. Diese soll effektiv und damit das Erzeugnis preiswert sein. Dabei gilt es abzuwägen, ob die Serie manuell mit der Hand gedreht oder unter Zuhilfenahme von Automaten- oder Halbautomatentechnik hergestellt werden kann.

Figuren Kleinserie
Je 100 Stück verschiedener Größe

Handdreharbeit benötigt wenig Vorbereitung, ist aber relativ langsam. Eine größere Stückzahl gleichartiger Figuren herzustellen, kann lange dauern und damit den Preis in die Höhe schrauben.
CNC-Holzdrehautomaten sind zumeist auf Massenproduktion ausgerichtet und somit ist die Herstellung von zum Beispiel 100 Stück für den Automaten uneffektiv. Lange Einrichtungszeiten heben den Vorteil der extrem schnellen Produktion wieder auf. CNC-Automaten sind teuer und benötigen lange Laufzeiten mit hohen Stückzahlen.

Dazwischen finden sich jedoch noch mehrere Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Herstellung am sogenannten Kanteldreher oder der Fassondrehbank. Die Maschine ist im Gegensatz zum Drehautomaten sehr preiswert und steht in fast jeder Drechslerei. Da man jedoch für die Figurenform ein Fassonmesser benötigt, welches speziell angefertigt werden muss, treibt das den Preis bei kleinen Stückzahlen nach oben.
Vorteil ist, dass Fassonautomaten und auch Kanteldreher den Figurenkörper komplett fertig drehen können. Eine Nachbearbeitung neben dem Schleifen ist nicht mehr nötig. So auch beim Handdrehen.

Automatenmuster
Genauigkeit kommt hier vor Schönheit (Automatenmuster)

Gewählt habe ich letztlich eine Kombination aus Beidem. Zur Verfügung stand mir neben einem Kanteldreher auch eine hydraulische Kopierdrehbank für Langholzartikel. Als Drechsler kann man per Hand schnell und effektiv  ein Kopiermuster herstellen, um dann mehrere Figuren hintereinander auf dem Automaten drehen zu können. Das Schleifen erfolgt parallel dazu und nach dem Trennen der einzelnen Figuren auf der Formatkreissäge, muss lediglich die dabei entstandene Kante am Figurenkopf abgedreht und geschliffen werden. Ein schnell per Hand gedrehter Holzspund hält die Figuren dabei in der Holzdrehbank fest. Mit dieser für eine Drechslerei typischen Kombination von Arbeitsgängen, ließ sich letztlich die gewünschte Kleinserie effektiv und preiswert hersstellen.

Leuchter

Leuchter mit der Hand gedreht

Hab letztens nach Kundenwunsch sieben Leuchter mit der Hand gedreht. Eine sehr schöne Aufgabe, da gedrehte (gedrechselte) Kerzenleuchter im Osten Deutschlands seit der Wende nicht mehr wirklich gewünscht wurden. Der derzeitige Trend ist eher schlicht und so konnte ich mich ein wenig „austoben“. Der Kunde hatte zwar ein Bild zur Orientierung beigelegt und eigenes Material mitgebracht, aber für die Formgebung hatte ich weitestgehend freie Hand.

Leuchter aus Holz

Mir war es selbst überlassen, den sieben Objekten aus ~holz eine unterschiedliche und doch ähnliche Form zu geben. So ließ ich mich spontan von verschiedenen Stilen inspirieren – ließ die Formen direkt an der Drehbank ins Holz fließen. Die Formgebung im Drechslerhandwerk ist eher konservativ und speist sich aus jahrhundertealten Traditionen. Was dem Auge angenehm war, hat sich durchgesetzt. Ob Klassizismus, Biedermeier, Gründerzeit oder Jugendstil – die Grundformen blieben immer die gleichen. Sie wurden und werden nur unterschiedlich kombiniert. Dabei spielt der sogenannte goldene Schnitt eine nicht unerhebliche Rolle – wenn auch nur in den Grundzügen und nicht im Detail. Im Falle dieser Leuchter sollte die Form eine gewisse Standfestigkeit unterstützen. Das erreicht man durch kürzere, dickere Formen im unteren Bereich und schlankere, längere im oberen Abschnitt. Der Schwerpunkt liegt damit im Fuß. Der gedrungene Kopf ist in der Lage (optisch gesehen), etwas zu tragen – in unserem Fall eine kräftige Kerze aufzunehmen. Konus und Karnies im mittleren Bereich haben den Schwerpunkt unten. Dadurch wird es eine aufstrebende, höhengewinnende Form.

Das ist natürlich viel „Geschwafel“ um eine kleine Sache, aber oft sind es auch die kleinen Dinge, die wohlüberlegt sein müssen, um das große Ganze wirkungsvoll und harmonisch ins Bild zu setzen. Kontraste sind es, die Spannungen erzeugen und Objekte interessant machen. In diesem Fall sollte der Kontrast in dem stark verzierten Leuchter und der schlicht glatten, hoch aufragenden Kerze bestehen.

Allan McCollum – Shapes

Allan McCollum – Shapes – it´s going on

Der Satz: “ Allan McCollum – Shapes – it´s going on “ bezeichnet die Fortführung meiner Arbeit  gemeinsam mit meiner Kollegin Karina Ihlenburg an einer Serie von künstlerischen Drehteilen aus Eschenholz im Rahmen des Shapes Projects des New Yorker Künstlers Allan McCollum. 144 Objekte wurden bereits fertiggestellt – weitere 144 Stücke folgen.  Jedes der sogenannten Shapes ist ein Unikat. Lediglich Holzart und Grundmaße sind gleich.
Auftraggeber ist die Galerie Thomas Schulte aus Berlin – eine international renommierte Galerie für zeitgenössische Kunst.

Allan McCollum - Shapes - eine kleine Auswahl

In meinen Artikeln Drehteile nach Zeichnung und Drechslerarbeiten für Künstler ging ich bereits auf das Thema ein. Nichts desto trotz lohnt es sich, immer wieder einmal einen Blick in die Werkstatt zu werfen. Selbst nach so vielen verschiedenen, mit der Hand gedrehten Formen entsteht von Zeit zu Zeit die Notwendigkeit, ein neues Werkzeug zurecht zu schleifen, eine neue Befestigungsmöglichkeit zu erdenken oder eine neue Handauflage fertigen zu lassen, um die Herausforderungen meistern zu können.

Allan McCollum - Shapes - Zeichnung und Ergebnis

Herausforderung an sich ist schon die Auswahl des Holzes beim Holzhändler. Eschenholz ist ein recht buntes Holz, kann stark variieren und Schatten im technisch getrockneten Holz müssen leider hingenommen werden. Da es im Block verleimt wird, spielt die Feuchtigkeit des Holzes  für die Dauerhaftigkeit der Kunstobjekte eine große Rolle. Verarbeitet wird Eschenholz mit  9 – 11 % Holzfeuchte und wird wenn möglich nach allen Regeln des Handwerks verklebt.

Allan McCollum - Shapes - Zeichnung und Ergebnis

Es gibt nicht für jede Form ein passendes Werkzeug und so muss auch einmal getrickst und improvisiert werden, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Auch ist die Herstellung nicht immer ganz ungefährlich.
Lohn der Arbeit war schließlich die Vernissage in der Galerie Thomas Schulte. Von den Galeristen hervorragend in Szene gesetzt, konnte nun auch der Handwerker einen Eindruck von dem bekommen, was der Künstler Allan McCollum in seinem Projekt erdacht und bezweckt hat.

Allan McCollum - Shapes - Vernissage Allan McCollum - Shapes - Künstler und Handwerker

Der Künster Allan McCollum gemeinsam mit den Drechslermeistern Karina Ihlenburg und Steffen Huber am 02.11.2015 in Berlin – weitere Ausstellungen gab es mittlerweile in Mailand, Basel, Miami und New York.

Schalen, Schalen, Schalen…

Schalen produktion – Teil des Drechslerhandwerks

Schalen gehören zu den typischen Herstellungsartikeln des Drechslers. Wie alle Produkte unterliegt der Bedarf an ihnen aber auch Trends und anderen Einflüssen. Da die Formen, Materialien und Besonderheiten aber derart vielfältig sein können, findet sich fast immer auch für irgendeine Variante ein dankbarer Markt.
Sie sind Dekoelemente, Gebrauchsartikel oder Kunstgegenstände, sind klein, groß, flach oder tief. Eines ist jedoch allen gemeinsam: eine Hohlform, in der sich Dinge aufbewahren lassen.
schalen
Im Moment ist Natur gefragt. Für Schalen heißt es, dass natürliche Einschlüsse, Naturränder mit Rinde oder Borke, Moosbewuchs, Wurmlöcher, Risse, Löcher oder Äste kein wirkliches Problem darstellen. Man soll sehen, dass ein Naturmaterial verwendet wurde. Es wird auf Kontraste gesetzt. Da werden Oberflächen behämmert, angebrannt, Wind und Regen ausgesetzt, sandgestrahlt, vergoldet usw. – aber fast immer kombiniert mit der fein geschliffenen und nur zurückhaltend oberflächenbehandelten Holzoberfläche.
Viele Freizeitdrechsler und Künstler haben sich der Schalenherstellung verschrieben. Man wetteifert um Größe und Dünnwandigkeit. Welche Schale verformt sich ohne zu reißen…?
Schale P1030110
Im Handwerk werden Schalen im Allgemeinen aus Querholz hergestellt, das heißt, das Material wird quer zur Faserrichtung aus der Bohle geschnitten. Am Schalenrand wechseln sich Hirnholz und gerader Faserverlauf ab. Das ist die eigentliche Herausforderung an das Werkzeug, welches verwendet wird. Weder darf das Hirnholz ausreißen, noch an der Langholzseite Fasern wegsplittern. Besonders scharfes Werkzeug und eine ruhige Hand sind ein Muss.
schale2 Schale
Damit eine Schale auch bei leichter Verformung im Nachtrocknungsprozess noch gut auf ihrer Standfläche steht, wird die Hohlung immer in die rechte, also kernzugewandte Seite eingedreht. Am Fuß bildet sich dann eine konkave Hohlung. Andernfalls würde sich ein Bogen bilden und die Schale schwanken oder kippeln.
Die Herstellung von Schalen ist nur schwer zu automatisieren, ohne einen Qualitätsverlust hinnehmen zu müssen. Es gibt Hilfsmittel, mit denen man sich die Arbeit erleichtern kann, aber fast immer handelt es sich um reine Handarbeit, die es wert ist, geschätzt zu werden.
Schalen

Drechslerprodukte spiegeln im Brennholz

Drechslerprodukte spiegeln sich im Brennholz wider

Wer hätte gedacht, dass sich meine Drechslerprodukte noch so lange im Brennholz widerspiegeln?

Viele Jahre lagert bereits ein großerTeil meines Brennholzvorrates in einem Seecontainer, der sonst nur als Abstellraum für Gartenutensilien genutzt wird. Irgendwann wurde es Zeit, dieses Brennholz seinem eigentlichen Zweck zuzuführen – dem Heizen meines alten Universalkessels und damit dem Wärmen von Werkstatt und Wohnhaus.  Stück für Stück landete somit im Ofen. Ab und zu verbanden sich mit einem Stück Holz alte Erinnerungen an hohe Holzstapel, fleißige Helfer, den einen oder anderen grünen Schein, den man dem Holzhändler zuschieben musste und natürlich einzelne längst vergessene Produkte meiner seit 1988 bestehenden Drechslerei.

Brennholz aus der Drechslerproduktion
Ein paar Abfallstücke habe ich mir beim Befüllen des Kessels beiseite gelegt und nachgeschaut, ob es noch Bilder meiner dazugehörigen Drechslerprodukte gibt. Besonders interessant, weil das Produktionsspektrum immer wieder den Trends und Bedürfnissen folgen musste, somit sich natürlich auch eigene Fertigkeiten, Maschinenpark und Logistik  erweiterten.

In der linken Ecke finden sich zum Beispiel kleine Plättchen aus Kiefernholz und ein Stück Hartfaserplatte, mit denen ich ein Spielboot beplankt und ausgekleidet habe, welches noch heute in einer Kinderarztpraxis steht. Das war im Sommer 1991. Das Boot wird immer noch regelmäßig überholt – vor zwei Jahren musste das Steuerrad erstmalig komplett ausgewechselt werden.  Das Radlager vom Trabant war schon arg mitgenommen…

Spielboot Drechslerprodukte

Auf der rechten Seite liegen einige Stücke kreisförmig ausgeschnittenes Erlen- und Eschenholz. Die Reste entstanden beim Ausschneiden von Tellern, aus denen ich  profilierte Ringe gedreht habe. Diese dienten von mir erdachten und gefertigten Zeitungsständern als Füße. 1989 fing ich an, diese beliebten Objekte an Kunstgewerbeläden zu verkaufen. Über Geschmack lässt sich natürlich streiten, aber damals konnten die Erzeugnisse garnicht genug Schnörkel und Formen haben.

Zeitungsstaender Drechslerprodukte

Das kleine gedrehte und gebohrte Stück in der Mitte ist ein Abfallteil aus meiner ältesten Serienproduktion. Als ich im Sommer 1988 meine Drechslerei eröffnete benötigte ich einen stabilen „Aufhänger“, der mir regelmäßig gut bezahlte Arbeit bescherte. Das waren dann sogenannte Pfeifenständer, in denen ein Pfeifenraucher seine Pfeifen abstellen konnte. Die Konstruktion war für fünf Pfeifen gedacht, war aus Birkenholz und wurde in 3 verschiedenen Farbtönen geliefert. Alle paar Wochen fuhr ich mit einem vollgepackten Saporoshez nach Berlin zur Großhandelsgesellschaft (GHG) „Waren täglicher Bedarf“ (WtB) und verhalf den Tabakwarenläden in Potsdam und Berlin  zu etwas mehr Angebot. Das dazu benötigte sogenannte „Preiskarteiblatt“ hatte ich im Vorfeld bei der ÖVW des Landkreises beantragt und genehmigt bekommen.
Die auf meiner Erika getippte Rechnung vom 3.9.1988 hab ich zur Belustigung mal mit hochgeladen.

Pfeifenstaender Drechslerprodukte Rechnung

Jetzt sage noch jemand, dass Brennholz nur Wärme spendet….. 😀