Kategorie-Archiv: Allgemein

Säulen für Stehlampen gedreht

Säulen für Stehlampen aus Nussbaum gedreht

Im Auftrag eines Designers durfte ich für seine speziellen Stehlampen die Säulen anfertigen. Das bereits verleimte und innen teilweise hohl gefräste Nussbaumholz wurde praktischerweise angeliefert.  Dadurch fielen sämtliche potenziellen Probleme mit der Holzqualität und der Verleimfeuchte für mich unter den Tisch.
Die schlanken Teile maßen in der Länge ca. 1,45m. Der Durchmesser zog sich von 70 bis auf 8,7 Millimeter. Solche Maße sind ohne Hilfsmittel kaum zu händeln. Zu diesem Zweck steht dem Drechsler die Lünette zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe konnte ich die lange, schlanke Form gut bewältigen. Ein scharfes Werkzeug  ist wie immer Voraussetzung für gutes Gelingen.

Säule für Stehlampen - Sockel Säule für Stehlampen - Lünette

Alle 10 cm habe ich den Durchmesser nach Zeichnung vorgedreht und anschließend verbunden. Das beste Hilfsmittel ist dabei die Hand, die jede Delle und Beule fühlen kann.  Beim Drehen schlanker Teile greift die linke Hand hinter das sich drehende Holz und fängt den Druck des Werkzeugs ab. Nur der Daumen führt das Werkzeug, welches ruhig in der rechten Hand liegt. Die Genauigkeit liegt dabei im Zehntelmillimeterbereich.
Die Lünette muss mehrmals versetzt werden, damit man an jeden Teil der Lampensäule herankommt.

Säule für Stehlampen - Spitze Säule für Stehlampen aus amerikanischem Nussbaum

Da der Drechsler ein typischer Zulieferer ist und meist Halbfertigteile herstellt, ist es auch in diesem Fall nicht ungewöhnlich, dass der Kunde – ein Berliner Designer – das Produkt selbst weiter verarbeitet. Im Ergebnis entstand eine Stehlampe, die in Form und Technologie exklusiv und ungewöhnlich ist. Deshalb findet sie nicht nur in Europa Absatz.

Ein paar schöne  Ansichten und Detailinformationen finden Sie auf der Webseite vom Designer Tom Kühne.

Stehlampen Tom Kühne - Berlin
Quelle: tomkuehne.com

Vom Drechseln und Drehen

DrechslerwappenDrechseln und Drehen – Begriffe im Bezug zum Drechslerhandwerk

Kleine Abhandlung zum Drechseln und Drehen.
Die meisten Interessierten werden bestimmt noch nicht bemerkt haben, dass das Drechslerhandwerk andere Begriffe benutzt, als es im allgemeinen Sprachgebrauch üblich ist. So ist beim Drechsler – also dem, der den Beruf des Drechslers erlernt hat – zumeist die Rede vom Drehen, der Drehbank, den Dreheisen und den Drehtechniken. Um die Automatenarbeit von der Handarbeit zu unterscheiden, spricht man in der Regel vom Handdrehen und Automatendrehen.

Warum sich aus den vielen verschiedenen Berufsbezeichnungen im deutschsprachigen Raum (Dreier, Drayer, Draxler, Drexler, Drechsler, Dreher) letztlich das Wort „Drechsler“ durchgesetzt hat, lässt sich meines Wissens nicht konkret nachvollziehen. Vermutlich basiert die Entstehung auf eine Welle der Standardisierung und Vereinheitlichung im 19. Jahrhundert im Zuge der Reichsgründung. Möglich auch, dass das vom Franzosen Charles Plumier 1701 in Paris publizierte Werk „L‘ art de Tourner“ in einer deutschen Übersetzung dieser Berufsbezeichnung Vorschub geleistet hat.

Irrtümlicherweise denkt der Laie beim Wort Drehen sogleich an das Automatendrehen oder das Metalldrehen. Sicher nicht falsch. Und doch ist es auch das Handdrehen des Drechslers, das schlichtweg als Drehen bezeichnet wird.

Schaut man in die moderne Drechslerliteratur und ins Internet, liest man fast ausschließlich vom Drechseln, der Drechselbank, den Drechselwerkzeugen und den Drechseltechniken. Geschrieben wird in erster Linie für den Freizeitdrechsler und bedient sich somit dessen Sprache.
Schaut man in die Fachbücher aus der Vorkriegszeit, die fast immer von Meistern der Drechslerzunft geschrieben wurden, ist fast ausschließlich vom Drehen die Rede. Früher gebräuchliche und heute kaum noch angewandteTechniken, wie das Längs- und Querpassigdrehen oder das Ovaldrehen sind mit dem Wort Drechseln nicht verknüpfbar.

Die Begriffe Drechseln und Drehen gab es gemeinsam nebeneinander bereits im Althochdeutschen. Eine von mir befragte Etymologin (Dr. Elisabeth Berner) führte dazu Folgendes aus:

„(…)Beide gehen auf die gleiche Wurzel zurück, wobei ‚Drechseln‘ neben dem ‚Drehen‘ als grundlegender Tätigkeit auch die Komponente ‚kunstvolles Bearbeiten‘, also eigentlich mehr Prestige besitzt.(…)“.
„(…)thrahslari (jeweils mit Querstrich über dem a = langes a) ist auf jeden Fall schon sicher zwischen 500 und 100 belegt und löst hier die noch ältere Bildung thrahsil ab. Die Differenzierung war im Barock auf jeden Fall abgeschlossen.(…)“

Drechsler, Darstellung (um 1425) zum Beitrag Drechseln und Drehen
Drechsler, Darstellung (um 1425) aus dem Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung, Band 1, Nürnberg

Ähnlich wird es vermutlich mit den verwandten Bezeichnungen gewesen sein. Wenn man den Begriff „Drehbank“ nimmt, denkt man zuerst an die Metallbearbeitung. Vergessen wurde jedoch, dass sich sowohl die Holz- als auch die Metalldrehbank aus ein und derselben Maschine entwickelt hat. Wichtiges Indiz dafür ist die identische Bezeichnung der wichtigsten Bauteile, wie Reitstock, Spindelstock, Drehbankbett. Sie weisen weiterhin darauf hin, dass diese Teile einmal aus Holz bestanden. Da Handwerk schon immer konservativ und traditionsbewusst war, haben sich diese alten Begriffe bis heute erhalten.

Beides ist also nicht falsch. Deutet man die Erkenntnisse aus den verschiedenen Quellen, steht also das Drehen für die typisch handwerkliche Tätigkeit. Diese zeichnet sich durch Tradition und allumfassende Kenntnisse und Fertigkeiten aus. Begriffe, Techniken, Werkzeuge und Hilfsmittel sind standardisiert. Kunden können sich im Umgang mit einem Drechsler oder Drechslermeister auf eine ganz bestimmte Bandbreite an Können verlassen.

Das Wort Drechseln wird massenwirksam

Eingesetzt wurde das Wort Drechseln vor allem in Abhebung vom gemeinen Drehen. Man musste dafür kein Handwerker sein, sondern wurde gleich zum Künstler oder Kunstdrechsler. Nach 1700 machten Nürnberger Drechsler das Handwerk hoffähig. Es war modern, sich der Kunst des Drechselns zu widmen. Man fühlte sich nicht an die engen Handwerksregularien gebunden. Kaiser, Päbste, Zaren – alle wurden sie zu Freizeitdrechslern. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte diese Mode ihren Höhepunkt erreicht und zeichnete sich durch unzweckmäßige und überspitzte Drechsler-Kuriositäten aus, die schließlich zum gemeinsamen Einbruch von Hobby und Handwerk führte.

Das Drechslerhandwerk hat auch diese lange Zeit überlebt, obwohl viele alte Techniken über die Jahrzehnte der Unterfoderung in Vergessenheit geraten sind. Durch das solide und weit gefächerte Wissen und Können konnten immer wieder Nischen ausgefüllt werden. Ein bekannter Vertreter der Zunft war Drechslermeister August Bebel, der in den gefährlichen Zeiten des Sozialistengesetzes neben seiner politischen Tätigkeit seine kleine Drechslerei am Laufen halten musste.
Gründerzeit- und Jugendstil bis um 1900 bescherten ein kurzzeitiges Aufleben des Drechslerhandwerks. Danach musste man sich mit Gebrauchsgegenständen, Möbelfüßen, Spulen oder auch Griffen für Handgranaten über Wasser halten. Erst ab den 70er Jahren erlebten Drechslerhandwerk als auch Freizeitdrechsler einen enormen Aufschwung.

Mittlerweile ist es wieder ruhig geworden. Sehr ruhig – zumindest im Handwerk.
Der Freizeitmarkt boomt mehr als je zuvor, ist er ja nicht auf Aufträge angewiesen und muss sich nicht um seine Existenz sorgen. Der Markt hat sich darauf eingestellt.

Um die Bezeichnungen Drechseln und Drehen einordnen zu können, bedurfte es dieses kleinen Ausfluges in die Geschichte.
Ich hoffe für unser schönes Gewerk, dass mit den Begriffen nicht auch das Handwerk selbst still und heimlich verschwindet…

Interessanter Link zum Thema: Entwicklung des Drechslerhandwerks im Strukturwandel des 20. Jahrhunderts in Ostwestfalen – eine Dissertation zum Thema (pdf)


Quellen:
Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 3 Bände, Akademie-Verlag  1989, 1.Band, S.304
Jacob und Wilhelm Grimm:  Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1860, 2. Band
Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch, Verlag S.Hirzel,  Auflage: 38, 1999
Internetauftritt Verband des Deutschen Drechsler- und Holzspielzeugmacher-Handwerks e.V. http://www.drechslerverband.de/seite/32888/geschichte.html

 

Sparbüchse mit Bajonettverschluss

Sparbüchse mit Bajonettverschluss gedreht

Unlängst durfte ich eine hölzerne Sparbüchse mit Bajonettverschluss drehen. Ziel der Sparfunktion war die Rettung der afrikanischen Tierwelt.  Aus diesem Grund wählte ich in Absprache mit der Kundin den Habitus einer Giraffe.  Zugegebenermaßen einer ziemlich dicken Giraffe, aber es sollte ja auch Einiges an Geld hineinpassen. Damit die Spenden nicht gleich wieder unten hinausfallen, musste eine Lösung für den Boden her.  Diese war eine Art Bajonettverschluss, der den Boden verschließt und trotzdem wieder zu öffnen ist.

Hölzerne Sparbüchse mit BajonettverschlussAuf dem Bild ist die fertige Giraffe leider schon Opfer des in einer Drechslerei massenhaft anfallenden Holzstaubes geworden. Man sollte aber hoffentlich gut erkennen können, wie der Verschlussmechanismus ausgeführt wurde. In den Sparbüchsenkorpus wurde das Gegenstück zum Deckel eingedreht und mit einem Stopper und einem kleinen Keil versehen, der ein zu schnelles Lösen verhindern sollte.  Die Gefahr bei dieser Konstruktion ist einzig und allein die Verformung der Teile aus Eichenholz. Deshalb muss etwas großzügiger gearbeitet werden.

 

 

Der Hals der Giraffe wurde an den Korpus angepasst und mit kleinen Dübeln befestigt. Der geschnitzte Schwanz ist auf den Aufnahmen leider nicht zu sehen, rundete aber das Gesamtbild sehr schön ab.  Augen, Ohren und Hörner wurden mit kleinen Zapfen eingesetzt und die Nasenlöcher geschnitzt.  Die hoffentlich vorhandene Ähnlichkeit ist nicht zufällig, sondern basiert auf dem fleißigen Studium von Giraffenporträts…

Sparbüchse aus Eiche mit Bajonettverschluss Die Giraffe hätte man auch wachsen, ölen oder mit einem Mix von beidem behandeln können, aber uns erschien die Verwendung eines stabilen Lackes sinnvoller, um einen besseren Schutz der Oberfläche gewährleisten zu können.

 

Gedrehte Möbelbeine – ganz nach Wunsch

Gedrehte Möbelbeine – ganz nach Kundenwunsch

Gern stelle ich gedrehte Möbelbeine – ganz nach Wunsch des Kunden her. Dabei spielen Stil und Funktion keine Rolle. Ob nach Zeichnung, Handskizze, Muster oder Bild – alles ist prinzipiell machbar. Die Kunden sind zumeist Tischler,  Designer, Produktentwickler und Restauratoren. Aber auch mancher Bastler lässt sich gern ein paar passende Beine für seinen selbstgebauten Stuhl, Tisch oder sein Bettgestell drehen. Da fast jede individuelle Idee unkompliziert umgesetzt werden kann, entstehen zum Schluss Unikate oder Designerstücke. Auch die detailgetreue Nachbildung von gedrehten Möbelbeinen- oder Füßen, die bereits einige Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte auf dem Buckel haben, gehört zum Alltag eines Drechslers.

gedrehte historische Möbelbeine

In diesem Fall benötigte der Kunde ein völlig neues Bauelement, angelehnt an die Form eines alten Möbelfußes.

Möbelfüße-tischbeine-dietrich

Diese einfachen runden Beine mit angeschnittenem Winkel wurden von der Firma Rejon Design entwickelt und zu einem modernen Beistelltisch aus Eichenholz verarbeitet.

Möbelfüße Huber

Auch hier wurden nach Wunsch vier Möbelbeine aus Eichenholz im Gründerzeitstil hergestellt.

Möbelbeine Drechslerei Huber Cembalo Fischinger

Diese vier Cembalobeine aus Platanenholz fanden Eingang in die Konstruktion eines Cembalos aus dem Haus Fischinger / Berlin.   (Bild: Markus Fischinger)

aus Hölzern gedrehtes Vogelhaus

Seit über 5 Jahren ziert dieses Vogelhäuschen im Winter unseren kleinen Garten. Hergestellt wurde es aus Resthölzern. Es ist komplett demontierbar, indem man die Spitze aus einer in den Pfahl eingeschraubten Rampamuffe herausdreht. Alle anderen Teile lassen sich dann abheben. Die Oberfläche wurde mit dem Drechsleröl aus dem Hause Steinert behandelt und bewährt sich erstaunlich gut im Außenbereich.

rundes Vogelhaus